Das Wichtigste auf einen Blick
Heu und Heulage bilden die Grundlage der Pferdefütterung. Doch aktuelle Untersuchungen zeigen: Die Nährstoffgehalte von Raufutter können stark schwanken. Während Energie- und Proteingehalte im Durchschnitt eher sinken, bleiben die Zuckergehalte häufig überraschend hoch. Wer sein Pferd bedarfsgerecht füttern möchte, sollte deshalb nicht raten, sondern analysieren.
Heu ist nicht gleich Heu
Viele Pferdehalter beurteilen Heu nach Aussehen, Geruch oder Farbe. Das gibt zwar Hinweise auf die Qualität, verrät aber nicht, wie viel Energie, Protein oder Zucker tatsächlich enthalten sind.
Genau das zeigt auch eine aktuelle wissenschaftliche Auswertung von mehr als 30.000 Heu- und Heulageproben aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien. Die Analyse macht deutlich, dass selbst optisch ähnliche Chargen erhebliche Unterschiede in ihrer Zusammensetzung aufweisen können.
Für die Fütterung bedeutet das: Ohne Analyse bleibt vieles eine Schätzung.
Neue Studie: Energie und Protein nehmen ab
Die Wissenschaftler untersuchten Futterproben aus den Jahren 2017 bis 2025. Dabei zeigte sich ein klarer Trend:
- Die durchschnittlichen Energiegehalte gingen zurück.
- Auch die Rohproteingehalte sanken.
- Die Zuckergehalte blieben insgesamt hoch und schwankten stark von Jahr zu Jahr.
Das bedeutet nicht, dass jedes Heu automatisch energie- oder proteinarm ist. Die Unterschiede zwischen einzelnen Partien sind weiterhin sehr groß. Trotzdem zeigt der Trend, wie wichtig es wird, die tatsächlichen Werte des eigenen Raufutters zu kennen.
Warum der Zuckergehalt so wichtig ist
Besonders spannend für Pferdehalter: In den letzten Jahren nahm die Zahl der Futtermittelproben mit höheren Zuckergehalten zu.
Die Auswertung der Sommerernte 2026 zeigt:
- 42 % der analysierten Proben enthielten weniger als 100 g Zucker pro kg Trockenmasse.
- 24 % lagen zwischen 100 und 120 g Zucker pro kg Trockenmasse.
- 34 % enthielten mehr als 120 g Zucker pro kg Trockenmasse.
Das bedeutet: Mehr als die Hälfte der analysierten Proben lag über 100 g Zucker pro kg Trockenmasse.
Gerade für Pferde mit Stoffwechselproblemen kann dieses Wissen entscheidend sein.
Besonders wichtig für leichtfuttrige und stoffwechselempfindliche Pferde
Pferde mit:
- Equinem Metabolischem Syndrom (EMS)
- Insulinresistenz
- PPID (Cushing)
- Rehe-Vorgeschichte
- Übergewicht
profitieren häufig von einer kontrollierten Zuckeraufnahme.
Das Problem: Heu mit niedrigem Energiegehalt ist nicht automatisch zuckerarm. Ein Raufutter kann gleichzeitig wenig Energie und Protein liefern und dennoch relativ viel Zucker enthalten.
Deshalb ist eine Heuanalyse oft der sicherste Weg, um die Ration dieser Pferde gezielt anzupassen.
Wie viel Protein liefert dein Heu wirklich?
Protein spielt für zahlreiche Prozesse im Körper eine wichtige Rolle. Es unterstützt unter anderem:
- Muskelaufbau und Muskelerhalt
- Fellwechsel
- Regeneration
- Wachstum
Die Studie zeigt, dass viele aktuelle Heuproben vergleichsweise niedrige Rohproteingehalte aufweisen.
Wichtig zu wissen: Der gemessene Rohproteingehalt beschreibt die Gesamtmenge an Protein im Futter. Nicht jedes Protein kann vom Pferd jedoch gleich gut genutzt werden. Daher sollte der Wert immer im Zusammenhang mit dem gesamten Fütterungsplan betrachtet werden.
Bei proteinärmeren Raufuttern kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein, um den Bedarf des Pferdes zu decken.
Auch der Energiegehalt sollte nicht unterschätzt werden
Nicht jedes Pferd benötigt die gleiche Menge Energie. Ein Sportpferd hat andere Anforderungen als ein Freizeitpferd, und ein älteres Pferd andere als ein Jungpferd.
Wenn das Heu weniger Energie liefert als erwartet, kann es schwieriger werden, den Bedarf allein über das Raufutter zu decken. Umgekehrt benötigen Pferde mit leichtem Futterbedarf oft kaum zusätzliche Energiequellen, wenn das Grundfutter bereits ausreichend Energie liefert. Ohne Analyse bleibt unklar, welchen Beitrag das Raufutter tatsächlich zur täglichen Versorgung leistet.
Warum sich eine Heuanalyse lohnt
Eine Heuanalyse hilft dabei:
- den Zuckergehalt des Raufutters zu kennen
- Energie- und Proteingehalte richtig einzuschätzen
- die Fütterung gezielt anzupassen
- unnötige Ergänzungen zu vermeiden
- Stoffwechselpferde besser zu managen
- die Ration individuell auf das Pferd abzustimmen
Statt auf Vermutungen basiert die Fütterung auf konkreten Daten.
Fazit: Kenne dein Heu
Mit Beginn der Stall- und Wintersaison steigt die Bedeutung von Heu und Heulage in der Pferdefütterung noch einmal deutlich. Die aktuelle Forschung zeigt, dass sich die Zusammensetzung von Raufutter verändert und gleichzeitig stark schwanken kann.
Deshalb gilt: Der erste Schritt zu einer ausgewogenen Fütterung ist nicht die Wahl des Kraftfutters oder eines Supplements, sondern das Wissen darüber, was bereits im Heu enthalten ist.
Wer sein Raufutter kennt, kann die gesamte Ration präziser, individueller und bedarfsgerechter gestalten.
Quelle: van Doorn, D., et al. (2026). Long-term trends in nutritional composition of equine forage in North-Western Europe (2017-2025). Journal of Equine and Veterinary Science Reports. Verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2772283X26002839








